Vergebung ist ein Prozess, bei dem viele Menschen die vorhandenen belastenden Gefühle nicht loslassen können. So ziemlich jeder wird irgendwann in seinem Leben mit dem Thema Loslassen und Vergebung konfrontiert. Es gibt sicherlich kaum einen Menschen, der sich nicht auf eine Art und Weise von einem anderen Menschen verletzt, verraten oder ausgenutzt gefühlt hat. Es ist jedoch wichtig vergeben zu können. Das bedeutet, blockierende Gefühle wieder loslassen zu können und mit reflektierten Erkenntnissen voranzuschreiten.

 

traurig

Manchmal scheint das Leben nicht fair zu sein und man fühlt sich so sehr hintergangen und verletzt, dass man den Gefühlszustand nicht loslassen kann und eine Vergebung nicht möglich scheint. Es ist nicht einfach Geschehenes vollkommen loslassen zu können und zu vergessen. Es ist nicht einfach alles ruhen zu lassen, ohne den nötigen Grad an Wiedergutmachung oder Entschuldigung. Viele Dinge können nicht wieder gut gemacht werden. Geschehens kann man nicht rückgängig machen. Gefühle der Wut, Trauer und Hilflosigkeit fangen an sich auszubreiten und hinterlassen immer mehr Spuren der Machtlosigkeit und Verbitterung. Doch was richten diese Spuren mit uns selbst an? Sie können uns keine Genugtuung geben, sie können uns nicht befreien und auch können sie nichts ungeschehen machen. Dem anderen Menschen, der den Schmerz verursacht hat, schaden diese Gefühle auch nicht. Sie machen ihn nicht weiser und einsichtiger oder bringen ihn dazu, einem genau das zu geben, was man so sehr ersehnt. Sie verletzen nur denjenigen weiter, der sie weiterhin festhält und fügen auf Dauer Schaden zu, der sich möglicherweise auf so einige Lebensbereiche auswirken kann. Ist es das alles wert?

GrubeEs ist wichtig zu verstehen, dass der einzige Mensch, dem wir Schaden zufügen, wenn wir nicht loslassen und nicht vergeben, wir selbst sind. Es ist so, als würde man sich selbst in die Grube weiter eingraben, in die man gestoßen wurde. Als würde man selbst immer tiefer graben und vergebens in der Tiefe etwas suchen, was einen erlöst oder Verständnis schenkt… aber das einzige was kommt, ist die Rückkoppelung des bekannten Gefühls, der Bestätigung des Schmerzes. Und so verharrt man oft auf seinem Recht und seinem Stolz oder seiner Wut und Trauer. Doch nochmal die Frage: Ist es das alles wert? Wenn man Veränderung und Vergebung wünscht, führt kein Weg daran vorbei, sich mit der Situation auf eine neue Art und Weise auseinander zu setzen.


 

Es gibt eine andere Perspektive.

Die Perspektive ist die, das wir selbst die Macht haben uns aus jeder Situation zu befreien und wir selbst unsere Gefühle in der Hand haben. Wir selbst steuern unsere Zukunft und daher ist es sehr wichtig, sich nicht zu lange in der Trauerphase aufzuhalten, um nicht die nötigen Schritte und Gelegenheiten für eine glückliche Zukunft zu verpassen. Scheue dich nicht davor, deine eigene Kraft anzuerkennen. Du kannst dich für eine neue Zukunft entscheiden und die Vergangenheit loslassen. Du kannst wählen, aus dem Geschehenen deine Lernerfahrungen anzunehmen und neue Erkenntnisse für dein Wachstum zu integrieren. Alles, was wir erleben, positiv oder negativ, gibt uns die Chance daraus zu lernen. Sicherlich findest du, wenn du genauer an bestimmte Situationen denkst, den ein oder anderen möglichen Wendepunkt, an dem du zu einer Veränderung der Situation hättest beitragen können. Vielleicht wusstest du nicht wie, vielleicht warst du nicht bereit, vielleicht hattest du diesen Moment damals noch nicht erkannt… aber jetzt hast du die Chance es nochmal rückwirkend besser zu verstehen und deinen Teil der Verantwortung in dieser Situation zu erkennen. Wenn du bereit bist diesen Punkt anzunehmen, dann erlöst du dich aus der Grube, in der du möglicherweise feststeckst und wirst Schritt für Schritt die belastenden Gefühle loslassen können. Denn die neuen Erkenntnisse sind dann wie eine Leiter raus aus der Ungewissheit und der Enttäuschung. 

Erkenntnisse-WachstumDie Erkenntnisse führen zur Vergebung, indem sie aufzeigen, wo du hättest anders reagieren können, vielleicht mehr in deiner Selbstliebe sein können, dich mehr durchsetzen sollen oder einfach mehr auf dich selbst hören können. Frage dich, warum du in solch eine Situation geraten bist und welche Gedanken und welches Verhalten hat dich in solch einer Lage gehalten? Hinterfrage gut, welches deine Motive waren, worin vielleicht deine Ängste lagen und wo deine Hoffnungen. Sei ehrlich zu dir in diesem Reflexionsprozess und achte auch darauf, welche Gefühle dabei hochkommen. Deine Gefühle zeigen dir auf, worin noch dein möglicher Lernaspekt liegt. Vielleicht fühlst du dich nicht geliebt, nicht wertgeschätzt oder zu sehr unter Druck gesetzt oder nicht respektvoll behandelt. Oft ist es ein Spiegel dessen, welcher Kernaspekt in uns selbst noch dafür verantwortlich ist, dass wir gewisse Dinge in unserem Leben und in dem Umgang mit uns zulassen.

Wenn dies erkannt ist, kann ein Heilungsprozess innerhalb der Vergebung beginnen und durch die Eigenverantwortung neue Entscheidungen für das persönliche Leben getroffen werden. Entscheidungen über das eigene Denken und Handeln, welches nicht mehr zulässt, in solch eine Situation nochmals zu geraten. Es ist definitiv möglich aus dem Kreislauf heraus zu kommen und den Weg neu auszurichten, egal wie schwer die Lage sein mag. Es mag manchmal Zeit kosten und viel Eigenarbeit fordern aber das ist es wert und ermöglicht ein ganz neues Level im persönlichen Wachstum zu erreichen. 

 

Durch das Loslassen des Alten, entsteht Platz für Neues.

loslassen

Die Verarbeitung der eigenen Gefühle ist ein wichtiger Teilaspekt, um sich von alten Situationen oder Menschen lösen zu können. Dazu gehört die Wahrnehmung und Annahme der vorhandenen Gefühle. Es kann auch passieren, das Gefühle stark verdrängt werden aber dennoch unterschwellig ihre Wirkung zeigen. Dies ist dann oft unbewusst und man weiß gar nicht genau, warum man so unzufrieden, blockiert oder geladen ist. Daher ist es sehr wichtig, sich mit den eigenen Gefühlen auseinander zu setzen. Die direkte Auseinandersetzung kannst du zum Beispiel dadurch angehen, indem du dir Zeit und Ruhe nimmst einen offenen und ehrlichen Brief zu schreiben. Dieser Brief soll nicht abgesendet werden. Es geht in erster Linier darum, darin alle aufkommenden Gefühle ungefiltert rauszulassen. Das heißt ohne Rückhalt alles genauso rauszuschreiben, wie es einem auf der Seele brennt. Jegliche Wut, jegliche Enttäuschung, jegliche Trauer und jegliche Dinge, die man der anderen Person oder über die Situation sagen will. Es ist wichtig, sich hier wirklich den vollkommenen Freiraum zu lassen, so zu sein und so zu schreiben, wie es der aktuelle Zeitpunkt wiedergibt bzw. was sich vielleicht auch noch von früher alles angesammelt hat und raus will. Du musst hierbei kein guter Mensch sein und auf deine Wortwahl achten. Es hilft ungemein auch mal so richtig aus seiner normalen Gemütslage auszutreten und von Herzen auch alles schlechte rauszuschreiben. So wirst du viel Frust, Trauer und Verletzung loslassen können und leichter in die Vergebung gehen.

weitergehenErkenne, dass deine Gefühle nicht schlecht sind, egal, wie sie sind. Sie sind da, um dir etwas zu zeigen. Sieh sie nicht als deine Feinde, sondern gebe ihnen den Raum, den sie brauchen, um sie nicht mehr länger in dir zu halten. Wenn den Gefühlen der Raum zuteil wird, den sie brauchen, das heißt, du ihnen deine Aufmerksamkeit schenkst und den Zweck dahinter erkennst, brauchen diese Gefühle nicht mehr länger bei dir zu bleiben. Sie werden gehen. Wenn du die nötigen Erkenntinne aus dem ganzen gezogen hast, bist du befreit von den Lasten, die dich runter gezogen haben. Das muss nicht unbedingt heißen, dass sofort alle Probleme beseitigt sind und du nun wie als sei nichts gewesen weitergehst. Es bedeutet eher, dass du gestärkt deine Verantwortung wieder an dich nimmst und somit die Weitsicht erklimmst, deinen Fokus neu auszurichten und dich von den schmerzenden Gefühlen loslöst. Deine Trauer und Wut wirst du nicht mehr brauchen und deine Energie kommt zu dir zurück. Die Lebensfreude hat wieder mehr Platz in deinem Leben, da du diesen Platz frei machst. Du findest dich wieder in deiner Mitte und weißt deine Erkenntnisse wertzuschätzen. Das ist der Punkt an dem die Vergebung stattfindet. Vergebung ist Annahme und Auseinandersetzung mit den entstandenen Gefühlen, um der Erkenntnisse Willen und das Loslassen in Demut und Dankbarkeit.

 

 

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